Anzutreffende Gefahrstoffe in Bestandsgebäuden

 

1)

Wann und wo wurde Asbest eingesetzt?

Asbest wurde in Deutschland seit etwa 1930 in so großen Mengen wie kaum ein anderer Werkstoff verwendet. So betrug der Asbestverbrauch in den Jahren 1950 bis 1985 etwa 4,4 Millionen Tonnen. Asbest wurde zu weit mehr als 3.000 unterschiedlichen Produkten verarbeitet.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde Asbest vor allem bei der Herstellung von Baustoffen eingesetzt. Besonders in den 1960er und 70er Jahren sind in beiden Teilen Deutschlands eine Vielzahl von Gebäuden unter Verwendung von asbesthaltigen Baustoffen – überwiegend Asbestzement – erbaut worden. Seit 1993 sind in Deutschland die Herstellung, das Inverkehrbringen und die Verwendung von Asbest und asbesthaltigen Produkten verboten.

Quelle: Umweltbundesamt




2)

Einstufung und Entsorgung von Abfällen, die künstliche Mineralfasern (KMF) enthalten

Allgemeines

Bei künstlichen Mineralfasern handelt es sich um industriell hergestellte silikatische Fasern (Mineralwollen), die zumeist als Erzeugnisse für Dämm- und Isolierzwecke in Verkehr gebracht wurden und werden.

Die wichtigsten Produktgruppen sind Glaswolle (helle, oft kräftig gelbliche lange Fasern) und Steinwolle (dunkle, braun-gelbe Fasern). Als Sondergruppe sind die Keramikfasern zu nennen, die lediglich in engen Einsatzbereichen Verwendung finden wie z. B. in Kraftwerken, Gießereien, Hochöfen und Brennöfen.

Einstufung

Bei Abfällen von KMF-Materialien älterer Herstellung besteht generell ein krebserzeugendes Potenzial durch die Fasern und Staubteilchen. Solche Abfälle sind als gefährliche Abfälle gemäß Abfallverzeichnis-Verordnung einzustufen.
Seit dem 1. Oktober 2000 ist das Inverkehrbringen von krebserzeugenden Mineralfasern gemäß Chemikalien-Verbotsverordnung (ChemVerbotsV) untersagt.
Nur bei Abfällen von KMF-Produkten, die nach diesem Datum in Verkehr gebracht wurden, kann davon ausgegangen werden, dass sie nicht krebserzeugend sind. Diese KMF-Abfälle können, zumindest was das Merkmal „krebserregend“ betrifft, nicht als gefährlich eingestuft werden. Eine Verunreinigung durch andere Schadstoffe kann jedoch weiterhin zum Status „gefährlich“ führen.
Abweichend hiervon werden Keramikfasern grundsätzlich als krebserzeugend beurteilt.

Umgang

Beim Umgang mit KMF können je nach Gefährdungspotenzial diverse Vorschriften, die sich aus der Gefahrstoffverordnung und z. B. der Technischen Richtlinie Gefährliche Stoffe (TRGS 521 und TRGS 500) ergeben, zum Tragen kommen. Bestehende Anzeigepflichten sind zu beachten. Daher sollten frühzeitig die zuständigen Arbeitsschutzbehörden kontaktiert werden.
Für die geordnete Bereitstellung, den sicheren Transport und die Entsorgung der Abfälle ist insbesondere darauf zu achten, dass Verwehungen, Austrag und sonstige Verluste von Abfallbestandteilen sicher auszuschließen sind.

Entsorgung

KMF können auf hierfür zugelassenen Anlagen (Deponien) beseitigt.


Quelle: RP Darmstadt/ Hessen

 

3)

PCP - Pentachlorphenol

PCP gehört zu den chlorierten aromatischen Kohlenwassserstoffen und ist u. a. ein starkes Fungizid. Der Stoff ist krebserzeugend, wirkt toxisch und fruchtschädigend, zudem ist er im Verdacht erbgutschädigend zu sein.
U. a. wurde PCP häufig in Holzschutzmitteln eingesetzt. (Bis Ende der 80 er --> PCP Verbot)
Da PCP leicht über die Raumluft andere Bauteile und Inventar kontaminieren kann, muß bei der Sanierung entsprechend sorgfältig gearbeitet werden.

PCB - Polychlorierte Biphenyle

PCB gehört auch zu den chlorierten aromatischen Kohlenwasserstoffen. In Deutschland bis Mitte der 80 er Jahre verwendet. PCB-haltige Materialien können an die Raumluft ausgasen. PCB ist fortpflanzungs- und fruchtschädigend, wirkt toxisch. Zudem steht es im Verdacht, krebserzeugend zu sein.
Haupteinsatzbereiche von PCB waren: Fugenmassen, Kondensatoren und Trafos, Farben und Lacke.

PAK - Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe

PAK z. B. in Teer- und pechhaltige Klebstoffen, Farben so wie Bitumenerzeugnissen. , z.B. zum Verkleben von Holzfußböden oder bei Dichtungs- und Dachbahnen. Häufig auch als "Teerkork-Dämmung" in alten Kühlräumen. Ist krebserzeugend, fortpflanzungs- und fruchtschädigend sowie erbgutschädigend.


4)

Schimmelpilze - Mikroorganismen

Pilze sind Lebewesen die einer separaten Klasse angehören die zwischen Pflanzen und Tieren liegt.
Viele Stoffe die in Schimmelpilzen vorkommen können allergen oder reizend wirken. Auch toxisch
wirkende Stoffe sind bekannt.
Da die Vermehrung der Schimmelpilze meist durch fliegende Sporen erfolgt, können diese Stoffe auch durch das Atemsystem aufgenommen werden.
Bei der Sanierung von Schimmelpilz genügt es in der Regel nicht, den Pilz nur abzutöten - auch abgestorbenes Material kann weiter allergische Reaktionen auslösen bzw reizend oder giftig wirken.
Also gilt auch bei umfangreicher Schimmelpilzsanierung - Atemschutz und Abschottungen um nicht weitere Bereiche zu kontaminieren.


5)

Chloranisole

Chloranisole zeichnen sich durch einen "muffeligen" Geruch, ähnlich dem Schimmelpilz, aus.
Chloranisol ist ein Abbauprodukt von PCP-haltigen Holzschutzmitteln und tritt häufig in Fertighäusern der 70-80er Jahre auf.
Physisch schädigend für den Menschen sind die Anisole nach derzeitigem Erkenntnisstand wohl nicht. Aber abgesehen von dem wirklich üblen Geruch, der sich hartnäckig auch in der Kleidung etc. festsetzt, sollte die Ursache -- siehe PCP beseitigt werden.
Absperrende Beschichtungen sind meist nur bei lokal begrenzten Schadstoffquellen wirtschaftlich. Bei "arbeitenden" Bauteilen, wie z. B. Holzkonstruktionen, längerfristig wohl nur sehr kostenintensiv möglich.